Werken

„Was machen wir heute?“ Das ist die Standardfrage, mit der sich die erwartungsvollen Fünft- und Sechstklässler jede Woche auf das Fach Werken freuen. Ja, sie sind glücklich mit zwei bzw drei Stunden Werken und scheinen nicht zu ahnen, dass im Stundenplan der 7. Klasse dieses Fach gar nicht mehr auftaucht. Ob Ton kneten und ein altes Blatt naturecht formen und glasieren oder Holz bearbeiten für ein Taschenlampengehäuse, ein Kürbis für Halloween, eine bunt verzierte Geschenkschachtel für Weihnachten – immer geht es um handwerkliche Genauigkeit, um Geschick und eine Lernbereitschaft besonderer Art.

Während unsere Zeit auch vormittags in der Schule nur so dahin rast, ist Werken die schönste Art, einen Gang herunterzuschalten – für die Schüler/innen zumindest. Alle müssen langsam zu Werke gehen und erst denken bzw planen, dann loslegen, sonst stimmen die Maße nicht, die Elektrik streikt oder das Teelicht passt nicht in die Öffnung der Öllampe. Dabei arbeitet jeder nach seinen Voraussetzungen und weil die so verschieden sind, steht Teamarbeit an oberster Stelle: Es darf gespickt werden, ganz offen und unverhohlen. Das bedeutet auch, dass die Schüler/innen in einer kreativen Pause von Tisch zu Tisch gehen und ihren Klassenkameraden mal über die Schulter schauen, sich Rat holen und Werkzeug ausleihen. Und nicht die kleinen Heimwerker selbst, sondern Tätigkeiten wie hämmern, schleifen, ablängen oder bohren sorgen für eine ordentliche Lautstärke. Nicht selten werden insgesamt in diesen Unterrichtsstunden mehr Heft-Pflaster als in den Sportstunden benötigt, aber das gehört irgendwie dazu.

Kuno Scharpf